Mehrsprachige Websites – Vorteile, Nachteile und hilfreiche Hinweise

von Paul Jackson

Die Vorteile einer mehrsprachigen Website scheinen auf der Hand zu liegen. Aber ist so ein Vorhaben immer eine gute Idee?

Da du diesen Beitrag liest, hast du zumindest Interesse daran, deinen Webauftritt in mehreren Sprachen anzubieten.

Hier erfährst du sowohl die Vorteile und Nachteile einer mehrsprachigen Website, und was dabei zu beachten gilt.

Vorteile einer mehrsprachigen Website

Wie oben angedeutet, sollten jeder Person die Vorteile einer mehrsprachigen Website klar sein.

  • Du erreichst mehr Leute
  • Als Folge gewinnst du mehr Interessent*innen und Kund*innen
  • Dadurch verkaufst du mehr Produkte oder Dienstleistungen
  • Und schließlich, du erhöhst deine Umsätze.

So die Theorie. Dazu noch ein mehr Detail:

Interessent*innen im Ausland erreichen

Steht deine Website auf Deutsch, kommen deine Websitebesucher*innen aus den deutschsprachigen Ländern. (Zumindest, die echten Menschen. Erfahrungsgemäß kommen auch bei deutschen Websites viele „Besucher*innen“ – sprich Bots – aus China, Russland und den USA.)

Möchtest du deine Produkte oder Dienstleistungen auch im Nachbarland Polen verkaufen, kommst du ohne eine polnische Fassung deiner Website nicht weit. Möchtest du in Tschechien verkaufen, benötigst du eine tschechische Website. Und veröffentlichst du deine Website auch auf Englisch, kannst du potenziell ein viel größeres Publikum erreichen.

Viele Websitebesucher*innen lesen lieber in der Muttersprache

Viele Personen, die Fremdsprachen mächtig sind, lesen oft lieber in der eigenen Muttersprache. Das ist vor allem bei komplizierten Sachverhalten der Fall.

Dazu kommt:

Auch Leute, die gerne Websites in Fremdsprachen lesen, kaufen nicht immer so gerne in Fremdsprachen. Woran könnte das liegen? „Buy now“ ist gleich „Jetzt kaufen“, oder? Ja, und es ist ein Kinderspiel, auf so einen Button zu klicken bzw. tippen, um Waren in einen Warenkorb einzuwerfen. Aber Websitebesucher*innen wissen nicht unbedingt, was danach folgt. Vielleicht kommen komplizierte AGB, denen sie zustimmen müssen. Oder sie müssen einen Account einrichten und dafür diverse Textfelder ausfüllen. Oder zwischen verschiedenen ähnlichklingenden Versandoptionen auswählen.

Bietest du deinen Inhalt in ihrer Sprache, fühlen sich die Websitebesucher*innen auf deiner Website mehr „zu Hause“. Fühlen sie sich da wohl, sind die Chancen größer, dass sie zum Portemonnaie greifen und deine Produkte oder Dienstleistungen kaufen.

Ein Land gleicht nicht einer Sprache

Du musst nicht zwingend international tätig sein, um von den Vorteilen einer mehrsprachigen Website zu profitieren. Wieso? Nicht alle, die in Deutschland oder in deinem Land wohnen, sind Einheimische. Und nicht alle aus dieser Gruppe sind der Landessprache mächtig. Ob ausländische Student*innen und Geschäftsleute oder Personen mit Migrationshintergrund – manche bevorzugen, in ihrer Muttersprache einzukaufen – oder zumindest in einer Lingua franca wie Englisch.

Kommst du aus der Schweiz, Belgien, Luxemburg oder vielen anderen Ländern, weißt du auch, dass auch deine Landsleute nicht unbedingt eine gemeinsame Muttersprache haben.

Auch in diesem Fall macht eine mehrsprachige Website Sinn.

Mehr Sichtbarkeit bei Suchmaschinen

Veröffentlichst du deine Website in zwei oder mehr Sprachen, gibts nicht nur mehr Stoff für Interessent*innen zu konsumieren, sondern für Suchmaschinen wie Google auch.

Machst du es klug, hast du die Chance, mit deinem Content in den Suchmaschinen in mehreren Ländern bzw. Sprachen aufzutauchen.

Steht deine Website in zwei Sprachen, hast du die Chance auf Platzierungen in den beiden Sprachen. Bei einer dreisprachigen Website könntest du in allen drei Sprachen gefunden werden.

Anders ausgedruckt: Deine Sichtbarkeit wird erhöht und du erhältst mehr Besucher*innen.

Maßgeblich hier ist: „Es klug machen“. Sprich vorher eine ausführliche Keywordrecherche auszuführen. Deine bestehenden Keywords einfach 1:1 zu übersetzen liefert dir wohl nicht die gewünschten Ergebnisse, weil das Suchverhalten in anderen Ländern halt anders ist. Gar keine Keywordrecherche auszuführen hilft dir noch weniger. In beiden Fällen gibst du die Mühe aus, deine Website mehrsprachig einzurichten, verschwendest aber deine Chancen.

Nachteile einer mehrsprachigen Website

Das waren einige der Vorteile. Gibt es auch Nachteile einer mehrsprachigen Website?

Klar.

Die Arbeit

Sei dir im Klaren darüber, dass eine mehrsprachige Website mit einer nicht unbeträchtlichen Menge Arbeit verbunden ist. Nicht nur musst du die Website planen, einrichten und die Übersetzungen einpflegen bzw. selbst fertigen. Jede Website, ob mehrsprachig oder nicht, benötigt regelmäßige bzw. kontinuierliche Pflege. Aus diesem Grund ist eine mehrsprachige Website mehr als ein „Nice-to-Have“.

Der Zeitaufwand

Auch wenn du die Zielsprache beherrscht und den bestehenden Inhalt selbst übersetzt, dauert es trotzdem mehrere Stunden bzw. Tage, alles einzutippen bzw. ‑diktieren. Auch kleine Websites mit nur einer Handvoll Seiten (wie diese) können ruhig mehrere Tausende Wörter beinhalten (auch wie diese). Und das, bevor du zu den weitschweifigen, aber vorgeschriebenen Seiten kommst – der Datenschutzerklärung und dem Impressum.

Die Websitepflege

Nachdem du die Website mehrsprachig erstellt hast, bist du noch nicht fertig.

Auch wenn du nicht vorhast, ständig neuen Inhalt zu veröffentlichen, muss der bestehende Inhalt gepflegt, angepasst und aktuell gehalten werden. Wird die Website in zwei oder mehr Sprachen veröffentlicht, dauert diese Pflege länger als bei einer einsprachigen Website.

Dazu kommt, dass die Website an sich gepflegt und aktuell gehalten werden muss.

Das CMS (Content Management System) muss auf aktuellem Stand gehalten werden. Etwaige Erweiterungen/Plugins auch. Verwendest du WordPress, wie viele Selbstständige und kleinere Unternehmen, hast du wohl eine Reihe von Plugins, die ständig nach deiner Aufmerksamkeit schreien.

Gelegentlich aktualisiert dein Webhoster auch die Server-Infrastruktur. Ein PHP-Update hier, ein Serverwechsel da.

Anfragen in der Fremdsprache

Falls alles sich bisher gut anhört und du dich noch für eine mehrsprachige Website interessierst:

Bist du auch in der Lage, Anfragen von Kund*innen und Interessent*innen in den jeweiligen Fremdsprachen zu bearbeiten bzw. bearbeiten lassen?

Was gilt zu beachten?

OK, du hast festgestellt, dass es sich für dich doch lohnt, deine Website in eine oder mehr Fremdsprachen anzubieten.

Was musst du dabei im Kopf halten?

Content Management System (CMS) auswählen

Falls du bereits eine Website hast, musst du mit den Möglichkeiten bzw. Tools arbeiten, die dir dein Websitesystem anbietet. Und falls nicht, kannst du dich entscheiden, welches System deine Bedürfnisse am besten erfüllt.

Liest du diese Zeilen, sind die Chancen gut, dass du eine WordPress-Website hast. Wieso? Bin ich Hellseher? Nein, aber zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Beitrags, Oktober 2022, sind laut des Website-Ranking-Dienstes Alexa 43 % der 10 Millionen meistbesuchten Websites WordPress-Websites [Quelle].

Sowohl Vorteil als Nachteil von WordPress ist, dass das System vom Haus aus sehr schlank ist. Benötigst du bestimmte, oft triviale, stinknormale Funktionen, musst du dafür ein Plugin (eine Erweiterung) installieren. Diese summieren sich wiederum rasant schnell, auch wenn du versuchst, sie auf einem Minimum zu halten. Um WordPress mehrsprachig zu machen, benötigst du ein Plugin wie WPML (kostenpflichtig) oder Polylang (Freemium-Model – unter Umständen kostenfrei).

Viele „herkömmliche“ CMS sind dagegen für die Mehrsprachigkeit konzipiert worden, benötigen aber mehr Fachwissen bzw. die Bereitwilligkeit, sich darin einzuarbeiten.

Flexible Übersetzungs­management­lösung finden

Abhängig von deiner Keywordrecherche und deinen Angeboten müssen alle deiner Inhalte nicht zwingend in allen Sprachversionen veröffentlicht werden. Beim Auswählen eines CMS oder eines Übersetzungsmanagement-Tools prüfe am besten, dass deine ausgewählte Lösung es dir erlaubt, deine Websitestruktur in der fremden Sprachen so zu gestalten, wie du für nötig hältst.

Was meine ich damit? Unten ein paar Beispiele:

  • Dein Produktsortiment ist bzw. deine Angebote sind in verschiedenen Ländern anders
  • Deine Produkte sind gleich, aber die Preise sind anders bzw. in anderen Währungen angeboten
  • Du hast in deinem Blog Beiträge, die aus praktischen oder kulturellen Gründen nicht in allen Ländern relevant bzw. passend sind
  • Bestimmte Hintergrundinformationen, wie zum Beispiel rechtliche Information oder Information über die Entsorgung von elektronischen Komponenten, ist nicht in allen Ländern relevant. Aus solchen Gründen ist es manchmal nötig, bestimmte Teile einer Seite wegzulassen.

Daher sollte deine Lösung ausreichend flexibel sein, um solche Situationen zu ermöglichen. (Andere dagegen sind recht starr; sie sehen einen Absatz im Ausgangstext und erwarten, dass der Absatz ein übersetztes Pendant hat, was nicht immer so ist.)

Eine Website besteht aus mehr als sichtbarem Text!

Nicht nur der Fließtext auf deiner Website muss übersetzt werden, sondern auch andere Teile, die Besucher*innen wahrnehmen und lesen:

  • Die Menüs und Menüpunkte
  • Der Text auf Buttons
  • Widgets/Module, die zusätzliche Funktionalität anbieten, wie zum Beispiel ein Kalender-/Eventsmodul, Portfolios oder Kundenbewertungen

Doch damit nicht genug:

Eine Website ist ein lebender Organismus, der viele Teile, Komponente und Funktionen beinhaltet, die durchschnittliche Besucher*innen gar nicht merken, wie:

  • URL-Slug (wie https://deinewebsite.de/­nachrichten/­irgendeine-neuigkeit)
  • Komponenten, die dir helfen, deinen Websiteinhalt zu strukturieren, damit er einfacher zu finden ist, wie Kategorien und Tags
  • Metainformation wie Beschreibungen deiner Webseiten, Alt- und Title-Tags und Information, die von Social Media-Netzwerken verwendet wird
  • Dateinamen (die Namen der Bilder, Dokumente und Audio- und Videodateien, die in deinem Webauftritt vorkommen bzw. zum Downloaden angeboten werden)

Auch wenn die allermeisten Besucher*innen diese Elemente kaum oder gar nicht merken, bedeutet das nicht, dass du sie vernachlässigen solltest, wenn du eine mehrsprachige Website erstellst. Im Gegenteil: Alle haben eine wichtige Funktion – wenn nicht immer direkt für die Leser*innen, denn für Zwecken der SEO (Search Engine Optimisation, also Suchmaschinenoptimierung) und die Funktionsfähigkeit deiner Website.

Die Keywords sind auch äußerst wichtig, aber eine ausführliche Keywordrecherche in der jeweiligen Sprache und Region führst du am besten im Voraus aus. Bestehende Keywords einfach zu übersetzen bringt dich nicht weit.

Deine mehrsprachige Website planen

Jede anstehende Website benötigt sorgfältige Planung, aber da mehrsprachige Websites etwas komplizierter sind, wird dieser Schritt noch unabdinglicher.

Plane dein Websitevorhaben im Voraus:

  • Struktur
  • Navigation
  • Keywords
  • Inhalt
  • Funktionen
  • Design
  • etc.

Keywordrecherche für das Zielland/die Zielregion

Interessent*innen und Kund*innen im Ausland finden deine Website nicht von alleine. Wenn überhaupt. Deine Website muss gefunden werden.

Wie bereits erwähnt, reicht es nicht aus, deine bestehenden Keywords zu übersetzen und in einer übersetzten Fassung des bestehenden Inhalts einzubauen.

Am besten unternimmst du detaillierte Keywordrecherche für die jeweilige Fremdsprache und das jeweilige Land/die jeweilige Region.

Dann erstellst du ganz gezielt den Inhalt dafür.

Als Folge kann die übersetzte Fassung deiner Website von der Struktur deiner ursprünglichen Website abweichen. Mal weniger, mal mehr. Das ist warum eine flexible Übersetzungsmanagementlösung wichtig ist (siehe weiter oben).

Keywordrecherche ist ein riesiges Thema, das den Rahmen dieses Beitrags nicht nur sprengen, sondern auch zerkleinern und begraben würde.

Domainstruktur

Du musst dich auch entscheiden, wie du die verschiedenen Sprachversionen deiner Website organisierst.

Alle Optionen haben Vorteile und Nachteile. Obwohl es zwar möglich ist, die URL-Struktur nachträglich zu ändern, rate ich dir dringend davon ab. Solche Änderungen bringen nicht nur Aufwand mit sich, sondern möglichen Nachteilen im Bereich SEO.

Folgende Strukturen sind möglich:

Eine Unterordner-Struktur, wie:

  • https://deinewebsite.com/de/
  • https://deinewebsite.com/en/
  • https://deinewebsite.com/fr/

Die einfachste Methode, da schnell und einfach zu verwirklichen. Nur ein paar Einstellungen in deinem CMS reichen. Und weil alles über die gleiche CMS-Installation läuft, ist die Website einfacher zu verwalten, vor allem wenn du viele Erweiterungen (Plugins) verwendest. Und da du bei nur einer einzigen Domain bleibst, fallen Kosten für zusätzliche Domains aus.

Eine Subdomain-Struktur, wie:

  • https://de.deinewebsite.com/
  • https://en.deinewebsite.com/
  • https://fr.deinewebsite.com/

Auch mit dieser Methode gibts ein paar Vorteile. Wie im Beispiel oben werden keine zusätzlichen Domains benötigt, und abhängig von deinem CMS könnte es auch noch möglich sein, die Sprachvarianten innerhalb einer Installation laufen zu lassen.

Als möglicher Nachteil kommt, dass die Subdomains konfiguriert werden müssen. Läuft die Konfiguration schief, sind die Auswirkungen davon groß. Vertraust du dir damit nicht, hole am besten Hilfe ein. Aber ein unbedingter Nachteil dieses Ansatzes ist, dass die URLs nicht gerade schön aussehen.

Oder gesonderte Domains, wie:

  • https://deinewebsite.de/
  • https://deinewebsite.fr/
  • https://deinewebsite.com/

Mit diesem Ansatz kannst du den Eindruck erwecken, dass jede Sprachversion bzw. länderspezifische Website nur für das jeweilige Land bzw. die jeweilige Region erstellt wurde. Das ist besonders gut, wenn aufgrund deiner Keywordrecherche rauskommt, dass der Inhalt bzw. die Struktur der verschiedenen Sprachversionen sich etwas unterschieden muss. Allerdings kann dieser Ansatz schnell kostspielig werden, weil du mehrere Domains und ggfs. Hostingpakete bzw. Server benötigst.

Ein anderer mögliche Vorteil ist, dass mit länder- bzw. sprachenspezifischen Domains die Chancen gut sind, dass du in den Suchmaschinenen in den jeweiligen Ländern besser ranken würdest, als ob du alles über Unterordner bzw. Subdomains verwaltest. Der Haken dabei? Zunächst musst du die Rankings bei den Suchmaschinen ergattern, was nicht über Nacht passiert.

Serverstandort

Eng mit dem Thema Domainstruktur ist auch der Serverstandort verwandt. Falls du über eine englischsprachige Website deine Produkte in Australien verkaufen möchtest, findest du am Besten einen Hoster in Australien, da, wo die Kund*innen sich befinden. Die Datenübertragung läuft viel schneller, als wenn du dafür deinen bestehenden Hoster in Deutschland weiterhin verwenden würdest.

Möchtest du dagegen deine im Deutschland gehostete Website mit Varianten für Österreich und der Schweiz erweitern, benötigst du nicht zwingend gesonderte Server dafür in den jeweiligen Nachbarländern. Deutschland ist davon nicht weit weg.

Bei größeren Websites kommt vielleicht ein CDN (Content Delivery Network) infrage. Ein CDN hat Server in verschiedenen Teilen der Welt, damit Besucher*innen aus Europa, Nordamerika oder Asien etc. die Websitedaten von einem Serverstandort empfangen, der ihnen am Nähesten steht. Wichtig dabei: Datenschutzregelungen beachten und deine Datenschutzerklärung entsprechend anpassen!

Nicht nur übersetzen (lassen), sondern lokalisieren!

Besucher*innen der verschiedenen Sprachvarianten deiner Website sollten sich denken, dass deine Website genau für sie gemacht wurde. Nicht nur der Text sollte in die jeweilige Sprache übersetzt werden – in vielen Fällen sollte die Website lokalisiert werden.

Was bedeutet das?

Datumsformat, Maßeinheiten, Währung und Telefonnummer etc. müssen stimmen, aber auch kulturelle Aspekte müssen betrachtet werden.

Es lohnt sich nicht, auf einer englischsprachigen Website für den britischen Markt Inhalt über Karneval, Winterdienst, Zimmerlautstärke oder Tanzverbote zu veröffentlichen, weil wir Brit*innen diese Konzepte nicht kennen. Ähnlich wäre es, wenn eine Firma aus den USA Inhalt über Baseball in Europa veröffentlichen würde. Klar, wir wissen, was das ist, interessieren uns aber nicht dafür.

Auch wenn das Thema deines Inhalts international funktioniert, musst du ggfs. Details im Inhalt oder deiner Content-Strategie anpassen, und nicht nur die obenerwähnten Maßeinheiten und Währungen etc.

Stelle dir vor, du verkaufst Artikel, die sich als Geschenke zum Muttertag eignen. Ab April lancierst du eine Werbekampagne dafür und erstellst auf deiner deutschen Website Inhalt zum Thema, damit du bis zum Muttertag im Mai deine Verkäufe ankurbelst. Würdest du diesen Inhalt auf deiner englischen Website für den britischen Markt veröffentlichen, wärst du zu spät daran. In Großbritannien wird Muttertag im März gefeiert.

Branding – Einheitlichkeit, Farben, Fotos und Piktogramme

Das Branding deines mehrsprachigen Webauftritts sollte konsistent sein: Das gleiche Layout und die gleichen Farben und Designelemente etc. sollten zum Einsatz kommen (aber, siehe direkt unten!). Die verschiedenen Sprachversionen sollten so aussehen, als sie Teil einer einheitlichen Website sind.

Pass auf: Farben rufen in verschiedenen Teilen der Welt nicht immer die gleichen Reaktionen auf! Was in einer Region einladend wirkt, könnte Websitebesucher*innen in anderen Teilen der Welt eher abschrecken. Ein Grund, warum es gut ist, alles im Voraus zu überlegen.

Die ausländischen Fassungen von US-Amerikanischen Websites verwenden oft die gleichen Fotos als die ursprüngliche Website des Mutterkonzerns. Für uns Brit*innen wirken die abgebildeten Personen aufgrund ihrer blendend weißen Zähne sofort „Amerikanisch“. An sich nicht schlimm, aber wir merken, dass die Website nicht gezielt „für uns“ gemacht wurde. Das kann wiederum unser Vertrauen in dem Unternehmen schaden. Wir zögern, unsere Kreditkarte aus dem Portemonnaie auszufischen.

Zielst du auf Kundschaft in Asien, Ozeanien oder Afrika, sollten etwaige Erdballpiktogramme auf deiner Website Asien bzw. Ozeanien bzw. Afrika zeigen – nicht Europa oder die USA. Verwendest du überall auf deinem Webauftritt „neutrale“ Erdballpiktogramme, machst du alles ein bisschen einfacher. Websitebesucher*innen erkennen sie als eine Abbildung des Globus, auch wenn keine identifizierbaren Kontinente abgebildet sind.

Fallstrick Flaggen

Bevor du für deinen Sprachumschalter Flaggenpiktogramme verwendest, denk daran, dass Sprachen nicht zwingend Ländern gleichen.

Erstellst du eine Fassung deiner Website auf Polnisch, wären die Leser*innen zum allergrößten Teil Pol*innen, egal ob sie sich in Polen oder im Ausland befinden. Hast du als Sprachumschalter ein Piktogramm der polnischen Flagge, ist das gar nicht so schlimm.

Sprachen wie Englisch, Französisch und Spanisch werden dagegen in einer Vielzahl Ländern rund um die Welt gesprochen, geschrieben und gelesen. In diesem Fall funktioniert jeweils eine britische, französische oder spanische Flagge nicht so gut. Du nervst Websitebesucher*innen in den anderen Ländern, in denen die jeweilige Sprache verwendet wird.

Und möchtest du Interessent*innen in der Schweiz oder in Ländern wie Belgien oder Luxemburg erreichen, hilft dir ein Piktogramm einer Flagge nicht. Diese Länder (und andere) haben mehrere Landessprachen.

Halt auch gut im Kopf, dass einige Websitebesucher*innen sich nicht unbedingt mit bestimmten Flaggen identifizieren (um es höflich auszudrucken), auch wenn die jeweiligen Länder eine gemeinsame Sprache haben.

Apropos Sprachumschalter

Falls du für deinen Sprachumschalter doch unbedingt Piktogramme von Flaggen verwenden möchtest, dann am besten mit dem Namen der Sprache daneben – nicht eine Flagge alleine. Und die Namen der Sprachen gibst du sowieso am besten in der jeweiligen Sprache an. Klar, wenn du Deutsch als Muttersprache hast, und siehst auf einer englischsprachigen Website die Sprachoption „German“, weißt du, dass damit die deutsche Sprache gemeint wird. Ist deine Muttersprache dagegen Arabisch oder Chinesisch, erkennst du nicht unbedingt, was hinter „Arabic“ oder „Chinese“ steckt.

Mache es für deine internationalen Besucher*innen möglichst leicht!

Dazu gehört: Lasse sie ihre bevorzugte Sprache selbst auswählen. Ja, durch Ermittlung der IP-Adresse und/oder Ablesen der Browsereinstellungen kann angenommen werden, welche Sprache bevorzugt wird, um Besucher*innen deine Website in der jeweiligen Sprache bereitstellen. Aber du weißt es selbst aus dem Urlaub: Dass du dich auf Mallorca befindest, bedeutet nicht, dass du Spanier*in bist und alles auf Spanisch lesen möchtest.

Die Sprachumschaltung sollte auch leicht zu finden sein, nämlich im Kopf- oder Fußbereich deiner Website. Wobei eine Sprachumschaltung ganz oben in der Navigation einfacher zu finden ist als ganz unten im Fußbereich. Sie sollte auch auf jeder Seite deiner Website vorkommen.

Übersetzungen können länger werden – Platz dafür halten

Denk daran, dass übersetzter Text nicht unbedingt die gleiche Länge hat als den Ausgangstext. Abhängig von der Sprache könnte dein übersetzter Inhalt wesentlich kürzer oder länger ausfallen. Online ist das meist weniger problematisch als bei Drucksachen wie Produktflyer, deren Platz physisch begrenzt ist. Trotzdem haben Websites Bereiche mit begrenztem Platz, zum Beispiel die Navigationsbereiche und Buttons etc.

Am besten hältst du das im Kopf, während du deine Website planst und einrichtest.

Schriftarten klug auswählen

Sei bewusst, dass nicht alle Schriftarten alle Glyphe (Zeichen) einer jeweiligen Sprache beinhalten. Besonders Designer*innen aus dem englischsprachigen Raum passen hier nicht auf. „Unser“ Alphabet besteht aus nur 26 Zeichen, A bis Z. Wenn wir für eine Website oder Broschüre eine Schriftart auswählen, schauen wir nicht immer, ob Zeichen wie ä, é oder ñ mit dabei sind.

Na, als deutschsprachige Person weißt du, dass die verwendeten Schriftarten ä, ö, ü und ß beinhalten müssen, um die deutsche Sprache ordentlich wiederzugeben.

Planst du eine polnische Fassung deiner Website, prüfe im Voraus, dass die verwendeten Schriftarten die nötigen polnischen Zeichen: ą, ć, ę, ł, ń, ś, ź und ż beinhalten. Hast du vor, deine Website auf Russisch, Arabisch, Chinesisch, Japanisch oder andere Sprachen bereitzustellen, die das lateinische Alphabet nicht verwenden, solltest du Schriftarten einsetzen, die die nötigen Sprachen unterstützen.

Etwas komplizierter wirds, wenn deine Website RTL-Sprachen („right to left”, also von rechts nach links) unterstützen sollte. In diesem Fall müssen nicht nur die Textzeilen andersrum erscheinen. Das ganze Design deiner Website muss anhand CSS („Cascading Style Sheets”, Kaskadenstilentwürfe) gespiegelt dargestellt werden. Dafür benötigst du eine*n Designer*in bzw. Entwickler*in.

Automatische Übersetzungstools

Ja, ja, ich weiß. Du möchtest möglichst wenig Geld ausgeben, und am liebsten gar keins. Und heute ist es doch möglich, Texte automatisch übersetzen zu lassen. Sogar das Smartphone in deiner Hosentasche ist dafür in der Lage.

Automatische Übersetzungstools sind in der Tat besser als vorher. Trotzdem sind sie nicht so gut wie die Übersetzungen von professionellen Übersetzer*innen.

Und das merken die Leute, die deine automatisch übersetzte Website lesen. Sie bekommen den Eindruck, dass du dir Geld ersparen möchtest, oder dich nicht zu sehr über deinen öffentlichen Auftritt kümmerst; dass du etwas unseriös wirkst.

Also Finger weg von den automatischen Übersetzungstools!

Sprachen-Tags

Sowohl Suchmaschinen als Browsersoftware sind schlauer als früher und sind besser dabei, Sprachen zu erkennen. Trotzdem solltest du Google & Co. helfen, dir und deinen Websitebesucher*innen zu helfen.

Egal ob bei einsprachigen oder mehrsprachigen Websites, sollte der HTML-Tag im head‑Code einer jeweiligen Website das entsprechende Sprachkürzel aufweisen. Für eine Website auf Deutsch wäre das:

<html lang="de">

Ist deine Website mehrsprachig, benötigst du oben drauf einen hreflang-Tag in allen Sprachen.

Das ist noch ein kompliziertes Thema, das diesen bereits ziemlich langen Beitrag kaputtmachen würde, aber kurzum:

Mittels hreflang-Tags machst du bei mehrsprachigen Websites den Suchmaschinen klar, dass dein Inhalt in verschiedenen Sprachen veröffentlicht wurde. Tust du das nicht, entscheidet Google für sich selbst, welche Sprachvariante deiner Seite er in den Index aufnimmt. In anderen Wörtern, nur eine deiner Seiten wird indexiert; andere Sprachvariante nicht. Diese werden nicht von potenziellen Kund*innen in der Suchmaschine auffindbar.

Die hreflang-Tags sehen so aus. Dieses Beispiel handelt es sich um eine Seite deiner ursprünglichen deutschen Website.

<link rel="alternate" hreflang="de" href="https://deinewebsite.com/de/irgendeine-deutsche-seite/" />

Die gleiche Beispielseite in der Sprachvariante britischen Englisch hätte so einen hreflang-Tag:

<link rel="alternate" hreflang="en-gb" href="https://deinewebsite.com/en/some-englisch-page-or-other/" />

Und unten siehst du eine Fallbacklösung. In diesem Beispiel wird festgestellt, dass die Sprache Englisch als Standardsprache der Website gilt. Wer in diesem Beispiel kein Deutsch liest, muss sich mit der englischen Fassung auseinandersetzen.

<link rel="alternate" hreflang="x-default" href="https://deinewebsite.com/en/some-english-page-or-other/" />

Dieses Thema kann etwas kompliziert werden. Hauptsache ist, du bist jetzt davon bewusst. Frage deine*n Entwickler*in danach, damit diese wichtige Information in deinem Websitecode vorkommt.

Impressum und Datenschutzerklärung

Wie ist es mit den Impressum- und Datenschutzerklärungseiten?

Übersetzt du deine deutsche Website ins Englische, benötigst du noch eine Impressumsseite. Auch wenn in weder Großbritannien, den USA und vielen anderen Ländern eine Impressumspflicht gibt und englischsprachige Leser*innen eine Impressumsseite weder erwarten noch suchen.

Ähnlich gilt, wenn du deine deutsche Website nicht (nur) ins Englische übersetzen möchtest, sondern in andere Sprachen. Hauptsache ist, du bist im Deutschland bzw. im deutschsprachigen Raum ansässig. Daher musst du noch übersetzte Impressumsseiten in den jeweiligen Sprachen veröffentlichen.

Für mehr Infos (wobei ich kein Anwalt bin und daher keinen rechtlichen Rat geben darf), siehe einen anderen Beitrag von mir: „Impressum“ auf Englisch.

Auch deine Datenschutzerklärungsseite musst du übersetzen (lassen). Diese Seite wirkt in der Tat etwas trocken, liefert Websitebesucher*innen aber wichtige Information darüber, wie du mit ihrer persönlichen Information (wobei auch ihre IP-Adressen dazu zahlen) agierst.

Fazit

Jetzt weißt du hoffentlich mehr über mehrsprachige Websites als ein paar Minuten her der Fall war. Du hast ein besseres Verständnis der Vorteile und Nachteile einer mehrsprachigen Website und weißt mehr oder weniger, was dabei zu beachten gilt. (Auch, wenn einige der Themen kompliziert wirken. Da musst du wohl eine*n Entwickler*in an Bord bringen.)

Unterschätze nicht die Arbeit, die für eine mehrsprachige Website benötigt wird.

Der Aufwand, eine Website zweisprachig einzurichten und pflegen, ist vielleicht nach ganz doppelt des Aufwands einer einsprachigen Website – aber fast. Kommen drei oder mehr Sprachen ins Spiel, erhöht sich dementsprechend der Aufwand.

Also prüfe am besten im Voraus, dass der Aufwand (Zeit und Geld) sich lohnen wird.

Denk auch daran: Eine mehrsprachige Website an sich bringt dir nicht von alleine neue Kund*innen. Dafür muss deine Website gefunden werden. Das bedeutet: SEO. Das ist ein großes Thema. Das Wissen dafür musst du dir aneignen und anwenden.

Und falls das alles sich wie zu viel Arbeit anhört:

Falls du einen internationalen Kundenstamm hast, wie bei Musiker*innen, Bands, DJs, Musiklabels oder ggfs. Softwarehersteller o. Ä. manchmal der Fall ist, reicht vielleicht nur eine englischsprachige Website aus. Klar, etwas Aufwand wirds noch geben, aber wenn eine deutsche Fassung ausfällt, gewinnst du dadurch etwas Zeit bei der Pflege. Natürlich hängt es von deiner Zielgruppe (Alter, Bildungsniveau) ab. Führst du dagegen einen Laden vor Ort, kannst du kaum auf eine deutsche Fassung deiner Website verzichten.

Viel Erfolg mit deinem mehrsprachigen Webauftritt!

Hab ich wichtige Punkte vergessen? Sag mir Bescheid in den Kommentaren unten.

Impressum und Datenschutzerklärung

Wie ist es mit den Impressum- und Datenschutzerklärungseiten?

Übersetzt du deine deutsche Website ins Englische, benötigst du noch eine Impressumsseite. Auch wenn in weder Großbritannien, den USA und vielen anderen Ländern eine Impressumspflicht gibt und englischsprachige Leser*innen eine Impressumsseite weder erwarten noch suchen.

Ähnlich gilt, wenn du deine deutsche Website nicht (nur) ins Englische übersetzen möchtest, sondern in andere Sprachen. Hauptsache ist, du bist im Deutschland bzw. im deutschsprachigen Raum ansässig. Daher musst du noch übersetzte Impressumsseiten in den jeweiligen Sprachen veröffentlichen.

Für mehr Infos (wobei ich kein Anwalt bin und daher keinen rechtlichen Rat geben darf), siehe einen anderen Beitrag von mir: „Impressum“ auf Englisch.

Auch deine Datenschutzerklärungsseite musst du übersetzen (lassen). Diese Seite wirkt in der Tat etwas trocken, liefert Websitebesucher*innen aber wichtige Information darüber, wie du mit ihrer persönlichen Information (wobei auch ihre IP-Adressen dazu zahlen) agierst.

Fazit

Jetzt weißt du hoffentlich mehr über mehrsprachige Websites als ein paar Minuten her der Fall war. Du hast ein besseres Verständnis der Vorteile und Nachteile einer mehrsprachigen Website und weißt mehr oder weniger, was dabei zu beachten gilt. (Auch, wenn einige der Themen kompliziert wirken. Da musst du wohl eine*n Entwickler*in an Bord bringen.)

Unterschätze nicht die Arbeit, die für eine mehrsprachige Website benötigt wird.

Der Aufwand, eine Website zweisprachig einzurichten und pflegen, ist vielleicht nach ganz doppelt des Aufwands einer einsprachigen Website – aber fast. Kommen drei oder mehr Sprachen ins Spiel, erhöht sich dementsprechend der Aufwand.

Also prüfe am besten im Voraus, dass der Aufwand (Zeit und Geld) sich lohnen wird.

Denk auch daran: Eine mehrsprachige Website an sich bringt dir nicht von alleine neue Kund*innen. Dafür muss deine Website gefunden werden. Das bedeutet: SEO. Das ist ein großes Thema. Das Wissen dafür musst du dir aneignen und anwenden.

Und falls das alles sich wie zu viel Arbeit anhört:

Falls du einen internationalen Kundenstamm hast, wie bei Musiker*innen, Bands, DJs, Musiklabels oder ggfs. Softwarehersteller o. Ä. manchmal der Fall ist, reicht vielleicht nur eine englischsprachige Website aus. Klar, etwas Aufwand wirds noch geben, aber wenn eine deutsche Fassung ausfällt, gewinnst du dadurch etwas Zeit bei der Pflege. Natürlich hängt es von deiner Zielgruppe (Alter, Bildungsniveau) ab. Führst du dagegen einen Laden vor Ort, kannst du kaum auf eine deutsche Fassung deiner Website verzichten.

Viel Erfolg mit deinem mehrsprachigen Webauftritt!

Hab ich wichtige Punkte vergessen? Sag mir Bescheid in den Kommentaren unten.

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Was ist die Summe aus 8 und 1?